Vom Arbeiten an der Oberfläche

Lu positioniert sich explizit an der Schnittstelle von Design, gesellschaftlichem Aktionismus und 'Wirtschaft' - als handelndes Subjekt, in Interaktion mit einem ökonomieschen System / Kontext.

Ist also auch exemplarischer Beitrag und Versuchsanordnung:

das Erproben, Definieren und Austauschen von postkapitalistischen Werten ist genauso Zweck des Unternehmens wie die Produkte selbst;

diese sind Manifestation, Anlass, Vorwand, Zwischenbericht  – Ästhetik + Subversive Argumentation als Stilmittel nonverbaler Rhetorik.

 

→ In der gesamten Herstellungs- und Vertriebskette ist ein wertschätzender sowohl auch achtsamer Umgang mit Mensch und Natur massgebendes Kriterium.

Dabei orientiert sich Lu an der Vision einer Gemeinwohlökonomie, die nicht den finanziellen Profit, sondern das Schaffen von 'Wert'... ins Zentrum ihres Bestrebens stellt.

 

 


Statements (systemrelevante Thesen, Behauptungen und Fragestellungen in Sachen Mode+Markt)

→Nachhaltige Mode gibt es nicht.

Mode kann/will per Definition nicht nachhaltig sein.
(Etwas was dem, in einer bestimmten Zeit/Kulturkreis/Peergroup, herrschenden, bevorzugten, Geschmack, Gefallen, Verhalten, entspricht)

Sich selbst und die Welt um sie herum reflektierend, kann sie nicht ruhen – der stete Wandel gehört zu ihrem Wesen.
Ok, heute beschleunigt – der Markt, der alte Umsatzjunkee, mag sie sehr die Mode,

die Schöne weckt auch da noch Begehrlichkeiten wo alle schon bedient.

So gesehen ein sicherer Wert.
Da bläst die sogenannte Wirtschaft noch so gerne in die Glut, lässt die Flammen lodern – als Brandbeschleuniger eignen sich Traumwelten auf Hochglanzpapier besonders gut.
Und weiter dreht das bunte Karussell.

Aber die Mode hat keine Schuld,

sie ist sogar ganz unschuldig –  vielleicht etwas selbstbezogen und gefallsüchtig, ok, aber sie ist was wir aus ihr machen, eine Fahne im Wind, ein leichtes Mädchen – wer will ihr das vorwerfen?

Sogenannt 'Nachhaltig' ist gerade gross in Mode.

So weit so gut.

 

 

→Was ist der Anteil – worin liegt die Verantwortung der Designer an unserer Konsumgesellschaft?
 

→Die Modebranche wird gerne  (zu Recht) exemplarisch für die Perversion unserer Marktsystems an den den Pranger gestellt.

Aber ich wehre mich entschieden dagegen die Missstände (...), der 'Schönheit' (...) anzulasten.

→Hingegen erachte ich die, reflektierte Auseinandersetzung mit der äusseren Gestalt, der Erscheinungsform, als selbstverständlicher Teil des Entwicklungsprozesses eines Produkts und ist nicht zu letzt dem Respekt der dafür eingesetzten Ressourcen geschuldet.


→Modernität/Aktualität definiert sich nicht in Saison-Trends.


→ Wertschöpfung muss auf die Produktions- Materialebene verteilt werden – Kostenwahrheit.


→ Material- und Fertigungs-Qualität = respektvoller und sorgfältiger Umgang mit unseren Ressourcen (in jedem Produkt stecken Rohstoffe, Energie und (Lebens-) Zeit.


→Made in Switzerland/EU: mit dem Kauf lokaler Produkte leisteten wir einen direkten Beitrag zum Erhalt von Fachwissen, Einkommensmöglichkeiten - sinnstiftende Betätigungsfelder und Wirtschafts-Diversität.

 

→Weniger ist mehr. Die Einhaltung hoher ökologischer und sozialer Standards bringt einen gewissen Preis mit sich.

 

 

Lu:

→ Ich lege grossen Wert auf kurze – direkte Handelsketten. Wo immer möglich beziehe ich mein Material direkt beim Hersteller; bevorzugt Fachbetriebe/ Manufakturen aus der Region oder dem umliegenden Europa.

 
→  Produzenten und Handarbeiterinnen werden nicht als Zulieferer verstanden, sondern als Partner.
 
→Die selben Kriterien gelten für alle Zwischenschritte vom Rohstoff über die Veredelung bis zum Verkauf und ebenso für alle nicht direkt mit der Produktion in Zusammenhang stehenden Aufwendungen und Dienstleistungen wie Verpackung, Werbung-Druck, Infrastruktur, Transport...
 
→ Bio- Fairtrade -Zertifizierungen sind für mich vor allem für global gehandelte Waren wie Baumwolle wichtig.
 
→  Ich arbeite nicht in Saison-Kollektionen, sondern in Projekten von unbestimmter Dauer. Einen Ausverkauf gibt es nicht.
 
→  Die Kontrolle wird durch enge Zusammenarbeit, persönlichen Kontakt und absolute Transparenz garantiert.

→Ich strebe nach einer maximalen Lohnschere von 1:2 für alle direkt vergebenen Aufträge (noch nicht realisiert)

→Mit Lu kann man tauschen - oder einen Anteil (max 50%) mit Talent (Zeittauschkreis/Komplementärwährung) 'bezahlen',
 
Interessengemeinschaft für weniger Billigmassenplunder
 

Interessante Texte zum Thema:

→Das Fest der Verschwendung, Ulf Poschardt

→Vom Modegeschmack, Kant
→was ist Slow Fashion?